Feierlicher Projektabschluss in Tiflis //

Mit der Zertifikatsüberreichung an die erfolgreichen TeilnehmerInnen des 2. Lehrgangs der Georgischen Gewerkschaftsschule am 24. Mai 2018 in Tbilisi endete offiziell das zweijährige Projekt „Eine Gewerkschaftsschule in Georgien – ArbeitnehmerInnenbildung für eine Stärkung der Rechte von ArbeitnehmerInnen“

Initiiert und getragen wurde es von weltumspannend arbeiten, dem entwicklungspolitischen Verein des ÖGB und dem Georgischen Gewerkschaftsbund GTUC, mit Kofinanzierung durch die Austrian Development Agency ADA und der Friedrich Eberts Stiftung.

Nach 17 AbsolventInnen im ersten Lehrgang 2017 bekamen nun 11 Mitglieder aus 8 Gewerkschaften das Abschlusszertifikat vom 2. Lehrgang. Es wurde unter Anwesenheit des Österreichischen Botschafters Arad Benkö und dem Leiter der Friedrich Ebert Stiftung Felix Hett von der Vizepräsidentin des GTUC Raisa Liparteliani und vom Geschäftsführer von Weltumspannend arbeiten Sepp Wall-Strasser überreicht.

An 45 Abenden, 4 Wochenendtrainings und 2 Evaluierungstagen wurden in diesem Bildungsmodell nach österreichischem Vorbild die aktiven GewerkschafterInnen in verschiedenen Themen ausgebildet. Darüber hinaus müssen sie im Zeitrahmen von Oktober bis Mai ein sogenanntes „Organizing-Projekt“ durchführen, wo es um konkrete Basisarbeit in den Betrieben, um Bewußtseinsbildung und Mitgliedergewinnung geht.

Dabei war dieser Lehrgang durch die gelungene Kooperation von AktivistInnen der Gewerkschaftsjungendbewegung mit Betriebsgewerkschaften besonders erfolgreich. So konnten an die 20 Primärorganisationen, d. h. nach österreichischem Verständnis „Betriebsratskörperschaften“ gegründet und hunderte von Mitglieder geworben werden.

Unvorstellbar sind weithin die Arbeitsverhältnisse, denen sich die georgischen GewerkschafterInnen gegenübersehen. So wird beispielsweise der ArbeitnehmerInnenschutz total vernachlässigt, ein wirksames Arbeitsinspektorat, existiert praktisch nicht. So kam es allein 2017 zu über 450 tödlichen Arbeitsunfällen und zu tausenden Verletzten. Ausschreibungen zum Eisenbahn- und Autobahnbau (Sware-Tunnelbau?) gingen an chinesische Firmen. Die dort beschäftigten Arbeiter mussten monatelang sklavenähnlich ohne freie Tage durcharbeiten, bis KollegInnen von der Eisenbahngewerkschaft, die in der Gewerkschaftsschule ausgebildet wurden, in einem Arbeitskampf durchsetzten, dass zumindest 1 freier Tag pro Woche und die gesetzlichen georgischen Feiertage eingehalten wurden. Als jüngster Erfolg gilt, dass die GewerkschafterInnen in den Verhandlungen den Tageslohn von 15 auf 20 Lari (etwa 7 Euro!) erhöhen konnten.

Ob an der öffentlichen Universitätsklinik, im Energieversorgungsbereich, oder im Theater- und Kulturbereich, bei der Organisierung von Weinbau- und Schweinezuchtbetrieben – überall gelangen Erfolge in der Durchsetzung oder Verbesserungen von Arbeitnehmerrechten, initiiert oder motiviert durch Projekte der Gewerkschaftsschule. Der größte Erfolg war wohl den ArbeiterInnen in der Zuckerfabrik AGARA gelungen. Deren Schließung war schon beschlossene Sache. In einem zweitätigen Marsch über 12o Kilometer von hunderten ArbeiterInnen gelang es, die Zuckerfabrik wieder aufzusperren. Sonst wäre eine ganz Region ohne Arbeitsplätze geblieben.

Kurzvideo von Giga Bekauri und Nika Dolaberize

Sehr erfreulich ist, dass eine Fortsetzung dieser Kooperation für weitere drei Jahre von Seiten der ADA wieder genehmigt worden ist, wobei das große Ziel darin besteht, neben der Hauptstadt Tbilisi in weiteren zwei Regionen – in Adjarien (Batumi) und Imeretien (Kutaisi) jeweils eine Gewerkschaftsschule durchzuführen. Dazu werden auch Regionalbüros gegründet und mit der nötigen materiellen und personellen Infrastruktur ausgestattet.