Echte Bullen fürchten keinen Betriebsrat. Schmähpreis für Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz //

Die TeilnehmerInnen des Lehrgangs „Global denken, global handeln“ setzten im letzten Modul ein aktivistisches Zeichen. Fotowirksam mit lebensgroßem Kartonbullen und Transparent inszenierten sie die Übergabe des Schandflecks des Jahres an Dieter Mateschitz.

Aber alles der Reihe nach:

Im Frühjahr 2016 gab es Bestrebungen einiger Beschäftigter bei ServusTV,  einen Betriebsrat zu gründen und Betriebsratswahlen abzuhalten. Nachdem die MitarbeiterInnen von ServusTV bei einer Online-Umfrage bezüglich der Gründung eines Betriebsrats mitgemacht hatten, wurde seitens Red Bull Media House, dem Inhaber von ServusTV, verkündet, der Sender werde mangels Wirtschaftlichkeit eingestellt und alle 264 MitarbeiterInnen seien bereits gekündigt. Wenig später gab Konzerngründer und -chef Dietrich Mateschitz öffentlich zu, dass die Aussicht auf eine Betriebsratsgründung die Entscheidung zur Auflösung des Senders begünstigt hätte. Die Entscheidung den Sender einzustellen, wurde zurückgenommen, nachdem sich die Belegschaft öffentlich gegen eine Betriebsratsgründung ausgesprochen hatte.

Aber um einen Betriebsrat zu gründen, braucht es nicht das Wohlwollen eines Chefs, auch impliziert der Wunsch nach einem Betriebsrat noch nicht die schlechte Behandlung der ArbeitnehmerInnen. Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit ist sowohl ein Menschenrecht, als auch in den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation manifestiert.

Die Beschneidung demokratischer und betrieblicher Mitbestimmung ist ein globaler Trend. Die Zahl der Länder, die Rede- und Versammlungsfreiheit verweigern oder beschränken, hat sich weltweit von 41 auf 50 erhöht, wie das Ergebnis des Rechtsindex 2016 des Internationalen Gewerkschaftsbunds zeigt. Länder in Europa bieten laut der Studie zwar weiterhin den besten Schutz der Gewerkschaftsrechte, erleben aber gleichzeitig eine deutliche Einschränkung dieser Rechte. Der Einfluss der BetriebsrätInnen in Österreich ist laut einer vom IFES 2015 durchgeführten Studie rückläufig. Während überall Demokratie hochgehalten wird, gerät die betriebliche Mitbestimmung unter Beschuss. Und das wollten die AbsolventInnen des Lehrgangs öffentlich machen!

Im Februar 2017 erhielt das Red Bull Media House den Schandfleck-Jurypreis. Der Schandfleck ist eine Auszeichnung für gesellschaftlich unverantwortliche Unternehmen, Organisationen und Institutionen die jährlich von NeSoVe vergeben wird (http://www.schandfleck.or.at ).

Die TeilnehmerInnen des Lehrgangs organisierten die Übergabe der Urkunde an Vetreter von Red Bull medienwirksam am Fuschlsee unter dem Motto „Echte Bullen fürchten keinen Betriebsrat!“

Wie es ihnen dabei ergangen ist, kann man im Freien Radio Salzkammergut im Widerhall Woche 21 nachhören (http://freiesradio.at ). Viel Spaß!