BananenarbeiterInnen in Ecuador verschaffen sich Gehör //

Für ArbeiterInnen auf Bananenplantagen in Ecuador ist es schwer für ihre Rechte zu kämpfen – zu groß ist die Angst vor Repressionen. Doch der Widerstand wächst – auch dank internationaler Unterstützung. Erstmals sprachen die ArbeiterInnen nun öffentlich über ihre Forderungen. Auch europäische VertreterInnen vom internationalen Bündnis „Make Fruit Fair!“ waren in Ecuador dabei und machten sich selbst ein Bild, wie die ArbeiterInnen bei der Umsetzung ihrer Forderungen unterstützt werden können.

Ecuadors Wirtschaft ist stark vom Bananen-Export abhängig. Fast ein Drittel der am Weltmarkt gehandelten Bananen (15,5 Millionen Tonnen jährlich) kommen aus dem kleinen Land am Äquator.
25 Prozent der ecuadorianischen Bevölkerung sind von der Bananenproduktion abhängig: Neben den Bäuerinnen und -bauern, PlantagenbesitzerInnen und ErntearbeiterInnen leben ArbeitnehmerInnen im Transport, in der Kunststoff- und Pestizidindustrie und in vielen anderen Bereichen vom Bananenanbau.
Während viele, vor allem der Einzelhandel in Europa, damit große Gewinnen erzielen, verdienen die ArbeiterInnen auf den Plantagen, aber auch Kleinbäuerinnen und -bauern nur Hungerlöhne. 6,26 US-Dollar ist der gesetzliche Mindestlohn für einen Bananenkarton (17 kg). In schlechten Zeiten wird aber viel weniger bezahlt, erzählt Jorge Toapanta, selbst Bananenbauer mit ca. 10 ha Anbaufläche. Aktuell sind die Bauern froh, wenn sie die Kiste um 3 Dollar verkaufen können, obwohl 6,10 Dollar kostendeckend wären.
Darüber hinaus sind ArbeiterInnen auf den Bananenplantagen giftigen Pestiziden ausgesetzt. Wenn sie sich in Gewerkschaften organisieren, werden sie häufig bedroht oder entlassen. Wegen solcher Repressionen ist es für sie schwierig in der Öffentlichkeit für ihre Rechte zu kämpfen.

Gewerkschaftliche Organisation ist schwierig, aber nicht unmöglich
Trotzdem kämpft die Gewerkschaft ASTAC um die Rechte der PlantagenarbeiterInnen. Sie ist für den gesamten Bananen-Sektor in Ecuador zuständig und wurde 2014 vom ehemaligen Fungizid-Piloten Jorge Acosta gegründet. Nachdem er selbst Gesundheitsprobleme bekam, wechselte er die Seite und rief gemeinsam mit KollegInnen und mit Unterstützung der belgischen Gewerkschaft FOS diese Interessensvertretung ins Leben.

Politische Anwaltschaft durch internationale Solidarität
Während der mächtige Exportverband AEBE im Hilton in Guayaquil sein jährliches Forum abhielt, versuchte ASTAC mit der Unterstützung europäischer NGOs und Gewerkschaften aus Peru, Kolumbien und den Philippinen auf die dramatische Situation der „bananeras“ (BananenarbeiterInnen) aufmerksam zu machen. Bei ihrer ersten Konferenz in der Geschichte vom 2.-3. Oktober 2017 trafen sich 150 ArbeiterInnen mit WissenschaftlerInnen, NGOs, internationalen Delegierten, sowie GewerkschafterInnen in der Bananenmetropole Guayaquil.
Ziel war es, Forderungen und Lösungsansätze zur Verbesserung der Arbeitsrechtssituation zu formulieren. Diese richten sich gleichermaßen an die ecuadorianische Regierung und an die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Europäische Union, mit der jüngst ein Handelsabkommen abgeschlossen wurde.
www.weltumspannend-arbeiten.at, www.suedwind.at/makefruitfair