04.10.2012 / Linz / Vortrag und Podiumsdiskussion / Total China //

Den Welttag für menschenwürdige Arbeit nahmen weltumspannend arbeiten, ÖGB/VÖGB und die Arbeiterkammer zum Anlass um  die Arbeitsbedingungen in China und deren globalen Auswirkungen zu diskutieren. Die Veranstaltung mit dem Titel: „Total China.  Armut, Arbeit, Wachstumsschmerzenfand am 4.10.2012 in der Arbeiterkammer Linz statt. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und 140 InteressentInnen folgten der Einladung.

ÖGB zum Welttag für menschenwürdige Arbeit:
Globale gewerkschaftliche Zusammenarbeit für Arbeitsrechte weltweit

„Total China. Armut, Arbeit, Wachstumsschmerzen“: Unter diesem Motto diskutierten GewerkschafterInnen mit ExpertInnen und dem chinesischen Universitätsprofessor Lu Huilin am 4. Oktober in Linz die globalen Auswirkungen der Arbeitsbedingungen in China. Anlass ist der Welttag für menschenwürdige Arbeit, der auf Initiative der internationalen Arbeitsorganisation ILO am 7. Oktober begangen wird. „Menschenwürdige Arbeit, die soziale Absicherung bietet und Mitsprache ermöglicht, muss im Mittelpunkt aller politischen Bemühungen stehen“, sagt Sabine Letz, Leiterin des ÖGB-Bildungsreferats.

Nur globales Kapital profitiert von Entwicklung in China
China habe als „Weltfabrik“ die globalen Arbeitskosten reduziert, analysiert Lu Huilin von der Universität Peking. „Die Arbeiter in China und die Arbeiter auf der ganzen Welt sind die Opfer dieser Entwicklung“, sagt Lu. Alleine das globale Kapital habe profitiert. „Nur globale gewerkschaftliche Zusammenarbeit kann diesen Wettlauf nach unten stoppen“, betont Letz. „AK und Gewerkschaften fordern bei allen Freihandelsabkommen Sanktionen bei Verstößen gegen die von der ILO definierten Kernarbeitsnormen: Verbot von Zwangs- und Gefangenenarbeit, ein Mindestalter von 15 Jahren, die Freiheit, Gewerkschaften zu bilden und Kollektivvertragsfreiheit“, meint Éva Dessewffy von der AK Wien

Verbesserungen für Arbeiter in China, Verschlechterungen in Europa
Anhand der Firma Foxconn, Zulieferer für Apple, Nokia und viele andere westliche Elektronikunternehmen, beschreibt Lu durchschnittliche Arbeitsbedingungen für chinesische Arbeiter: Ein Lohn, niedriger als Lebenserhaltungskosten zwingt die Beschäftigten zu enormen Überstunden, unmenschlicher Druck werde auf sie ausgeübt. Die Fluktuation liegt bei 35 bis 60 Prozent im Jahr. „Wenn man das hört, klingt es vielleicht zynisch. Aber ich mache mir im Moment mehr Sorgen über Europa, als über China. Denn in China geht es aufwärts, die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung verbessern sich, in Europa geht es abwärts“, sagt ÖGB-Bildungssekretär und Geschäftsführer des entwicklungspolitischen Vereins „weltumspannend arbeiten“, Sepp Wall-Strasser. „In zwölf EU-Staaten sind die Mindestlöhne bereits niedriger, als die Löhne im Speckgürtel von Shanghai. Fünf Prozent der griechischen Bevölkerung leben von der öffentlichen Ausspeisung. Die Krise wird von den Multis genützt, um die Arbeitsbedingungen in Europa zu drücken.“

Arbeiter als treibende Kraft für Veränderungen in China
Hoffnung gebe die Entwicklung der Gewerkschaften in China. Bislang ein Wohlfahrtsverein als verlängerter Arm der Partei gebe es zunehmende Demokratisierung. „Die unzufriedenen Arbeiter protestieren, Streiks und Aufstände in Firmen nehmen zu. Vereinzelt gibt es schon freie Gewerkschaftswahlen. Die Arbeiter können die Demokratisierung Chinas vorantreiben“, sagt Lu.

Linz, 5. Oktober 2012,
Autorin: Mag.a Carmen Janko, ÖGB OÖ, Kommunikation