Fußball-WM in Katar: Tausende tote Bauarbeiter mahnen

weltumspannend arbeiten fordert die Einhaltung von Arbeitsrechten und die Wahrung von Menschenrechten bei jeder Sportgroßveranstaltung (Presseaussendung, 24.03.2021)

Morgen findet das erste Qualifikationsspiel für die Herren-Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 statt. Besonders Sport-Großereignisse, wie eine Fußball-WM, begeistern die Massen und genießen enorme mediale Aufmerksamkeit. Dabei darf nicht vergessen werden, unter welch ausbeuterischen Bedingungen die Baumaßnahmen für diese Weltmeisterschaft passiert sind. Aufgrund der mangelnden Sicherheit auf den Baustellen und der extremen Hitze im Wüstenstaat Katar, mussten tausende Menschen ihr Leben lassen.

Seit 2013 verfolgt weltumspannend arbeiten gemeinsam mit dem ÖGB die Geschehnisse auf den Baustellen Katars und zeigt die dramatischen Bedingungen auf. Damals forderte der Verein im Zuge der Kampagne „Rerunthevote“ des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB) die FIFA auf, die Wahl Katars als Austragungsort für die WM 2022 zurückzunehmen.

Positiv anzumerken ist, dass es seither zu Verbesserungen im Arbeitsrecht in Katar gekommen ist und sich die Lage für die ArbeiterInnen auf den Baustellen insgesamt verbessert hat, was auch ein Verdienst der IGB-Kampagne ist. „Gewerkschaftliche Organisation, die Einhaltung von Arbeitsrechten, die Wahrung von Menschenrechten, müssen bei jeder Sportgroßveranstaltung Voraussetzung sein. Hierfür bedarf es von der Vergabe bis zur Vollendung von Aufträgen gesetzliche Rahmenbedingungen“, fordert Peter Schissler, Vorsitzender des Vereins weltumspannend arbeiten.

Morgen findet das Spiel der österreichischen Nationalmannschaft gegen Schottland in Glasgow statt. Jener Tag, an dem auch der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels begangen wird. „Wir lenken deshalb die Aufmerksamkeit auf jene Personen, die hinter den schillernden Kulissen ihr Leben und ihre Gesundheit riskieren und fordern für die Zukunft gerechte Entlohnung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen“, so Schissler.

Zur OTS-Aussendung

Dialog fördern, Friedensarbeit ausbauen, Neutralität stärken

In Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 81 Jahren (Überfall auf Polen am 1. September 1939) haben sich VertreterInnen der österreichischen Friedensbewegung in Wien versammelt und folgende gemeinsame Erklärung verabschiedet:

Kriege und bewaffnete Konflikte finden weltweit ungebrochen statt. Kaum gehört werden dabei die Stimmen jener, die für friedliche Lösungen eintreten. Mit Nachdruck appellieren wir daher, die weltweiten Friedenskräfte zu stärken. Nur eine aktive Friedenspolitik kann weitere Konflikte verhindern und die Ursachen für Krieg aufzeigen, die meist mit Kapitalinteressen verbunden sind. Den Industrieländern kommt dabei eine wichtige Rolle zu, denn dort werden die Waffen produziert, die in den vielen globalen Konflikten eingesetzt werden. Auch die österreichische Waffenindustrie ist hier nicht ausgenommen.

Nichts ist wertvoller als der Friede, das wissen vor allem die Menschen in Europa, und in diesem Geist sollte wiederum für friedliche Politik, Abrüstung und solidarisches Handeln geworben werden. Durch Dialogbereitschaft und kontinuierliche Zusammenarbeit – auch auf gewerkschaftlicher Ebene – können Friedensprozesse in Gang gebracht werden.

Österreich sollte in diesem Sinne auf Basis der Neutralität eine viel größere und aktivere Rolle als Friedensvermittler einnehmen. Eine proaktive Außenpolitik kann dazu beitragen stabile Demokratien aufzubauen, die Einhaltung der Menschenrechte zu gewährleisten und zivilgesellschaftliche Strukturen zu stärken.

In diesem Zusammenhang begrüßen wir die geplante Einrichtung eines österreichischen Zivilen Friedensdienstes als Instrument aktiver Friedenspolitik. Wie Anfang Juli 2020 im Nationalrat beschlossen soll der Zivile Friedensdienst (ZFD) unter umfassender Einbindung der Zivilgesellschaft und nach dem Vorbild Deutschlands ehestmöglich umgesetzt werden. „Ein österreichischer ZFD wird die historische Rolle der Republik Österreich als neutrales Land mit jahrzehntelanger Tradition als Brückenbauerin für mehr Frieden und Sicherheit mit neuem Leben erfüllen“, heißt es im dazugehörigen Bericht des außenpolitischen Ausschusses.

Nicht zuletzt ist festzuhalten, dass die immerwährende Neutralität Österreichs von der überwältigenden Mehrheit der ÖsterreicherInnen unterstützt wird und besagt, dass Österreich keine militärischen Aktivitäten fremder Staaten auf seinem Gebiet zulässt, keinen militärischen Bündnissen beitritt und eine aktive Friedenspolitik betreibt. Jegliche Art der Teilnahme Österreichs (finanziell, logistisch, militärisch) an der Militarisierung der EU, an militärischen Operationen der NATO oder an bilateralen Militärkooperationen (z.B. Zusammenarbeit mit US-Nationalgarde) widerspricht unserer Auffassung von aktiver Neutralitätspolitik und ist daher entschieden abzulehnen.

Um diese und weitere Zukunftsthemen zu erörtern, laden wir am Freitag, den 23. Oktober 2020 zu einer Konferenz der österreichischen Friedensbewegung in den ÖGB-Catamaran ein. Unter dem Motto „Aktive Neutralitätspolitik für eine friedliche Welt“ wollen wir gemeinsam an den 65. Jahrestag der Erklärung der immerwährenden Neutralität und den 75. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen erinnern.

UnterzeichnerInnen:

  • Dr. Marcus Strohmeier, Internationaler Sekretär des ÖGB
  • Mag.a Isabelle Ourny, Internationale Sekretärin des ÖGB
  • Mag. Michael Wögerer, Projektleiter von weltumspannend arbeiten
  • Elisabeth Ylva Kerndl, weltumspannend arbeiten
  • Peter Düringer, Österreichisches Solidaritätskomitee
  • Mag. Stephanie Fenkart, M.A, Direktorin International Institute for Peace (IIP)
  • Dr. Klaus Renoldner, OMEGA/IPPNW-Österreich
  • Manfred Sauer, Zeitung betrifft frieden
  • Norbert Bauer, Solidarwerkstatt Österreich
  • Dr. Wilfried Leisch, Gewerkschafter*innen gegen Atomenergie & Krieg
  • Priv.-Doz. Mag. Dr. Thomas Roithner, Friedensforscher und Internationaler Versöhnungsbund
  • Irmgard Ehrenberger, Geschäftsführerin Internationaler Versöhnungsbund
  • Alois Reisenbichler, Wiener Friedensbewegung/Pax Christi Wien
  • ABFANG – Aktionsbündnis für Frieden, aktive Neutralität und Gewaltfreiheit
  • Friedens-Attac / Gerhard Kofler

Weltumspannend Arbeiten warnt vor Anstieg der Kinderarbeit

„Arbeit ist kein Kinderspiel! Alle Produkte, die wir in Österreich kaufen, müssen frei von Kinderarbeit sein!“, fordert der entwicklungspolitische Verein im ÖGB.

„Die Folgen der COVID-19-Pandemie könnten die bisherigen Erfolge im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit zunichtemachen“, zeigt sich Peter Schissler, Vorsitzender von weltumspannend arbeiten, dem entwicklungspolitischen Verein im ÖGB, anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni beunruhigt.

Mit zunehmender globaler Armut steigt auch die Verbreitung von Kinderarbeit, warnte UNICEF erst kürzlich. Schulschließungen aufgrund der Corona-Maßnahmen sowie eine erhöhte elterliche Sterblichkeit aufgrund von COVID-19 zwingen Kinder zur Kinderarbeit, die ihre Gesundheit und Sicherheit beeinträchtigt.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass weltweit immer noch 152 Millionen Kinder arbeiten müssen. Das Problem ist besonders akut in Afrika, wo fast die Hälfte der Kinderarbeiter (72,1 Millionen) zu finden sind, die Mehrheit in der Landwirtschaft.

„Das kann und muss sich ändern“, zeigt sich Schissler überzeugt. Hierfür sind konkrete Armutsbekämpfungsprogramme der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) von entscheidender Bedeutung, um die schlimmsten Auswirkungen der COVID-19-Krise auszugleichen und Kinderarbeit wirksam zurückdrängen zu können. „Trotz – oder besser gesagt gerade wegen – der Corona-Krise muss das Ziel der österreichischen Bundesregierung, die EZA-Gelder endlich auf ein internationales Niveau zu heben, beibehalten werden. 0,7 Prozent des BIP sind das Mindeste!“, fordert Schissler.

Auch was die Verantwortung von Unternehmen entlang der Lieferkette betrifft, könnte Österreich eine Vorzeigerolle einnehmen und Produkte, in denen Kinderarbeit steckt, einfach vom Markt verbannen. In diesem Zusammenhang erinnert der Vorsitzende des entwicklungspolitischen Vereins im ÖGB an einen kürzlich im Nationalrat neu eingebrachten Entwurf eines Sozialverantwortungsgesetzes (SZVG). Dieses sieht vor, dass Bekleidung einschließlich Schuhe und Textilien, in denen Kinder- oder Zwangsarbeit steckt, nicht in Österreich verkauft werden dürfen.

Auf europäischer Ebene gibt es ebenfalls unterstützenswerte Initiativen für eine gesetzliche Sorgfaltspflicht der Unternehmen. Während in Frankreich und den Niederlanden solche Lieferketten-Gesetze schon Realität sind, wird dies in Deutschland gerade auf höchster Ebene diskutiert. Nachhaltige Lieferketten sollen auch ein Schwerpunktthema der deutschen EU-Ratspräsidentschaft (ab Juli 2020) sein.  EU-Justizkommissar Didier Reynders hat für 2021 einen Vorschlag für ein europaweites Gesetz eingebracht, das Missständen wie ausbeuterischer Kinderarbeit endlich ein Ende setzen soll.

„Wenn wir das auf UN-Ebene erklärte Ziel der Abschaffung ausbeuterischer Kinderarbeit bis 2025 erreichen wollen, müssen wir alle an einem Strang ziehen“, so Schissler abschließend.

Weiterführende Links:

Beitragsbild: Kinderarbeit um 1900 (coloriert)