Es wird höchste Zeit für mein Versprechen einzuhalten und einen Blog oder ähnliches zu Beginnen. Aber zunächst stell ich mich mal vor…

Mein Name, Anton Lamprecht, geboren und aufgewachsen in der Süd Ost Steiermak. In einer sogenannten „Nebenerwerbsbauernfamilie“. Übersetzt heißt das, dass meine Eltern nach 8 oder mehr Stunden Arbeit, als Freizeitbeschäftigung die Tätigkeiten am Hof erledigten. Schon früh wusste ich um mein Recht auf Freizeit zu kämpfen ;-)
Kurzerhand, ich bin in einer viel beschäftigten Umgebung aufgewachsen, hatte eine wohl behütete Kindheit, während der es mir an nichts fehlte.

Nach einer Ausbildung im Handel (HASch), bin ich mit 17 nach Graz umgesiedelt um im für mich attraktiver erscheinenden Sozialbereich, Fuß zu fassen. Nach meiner Herrenzeit als Pflegehelfer im Seniorenheim und nach vollendetem Zivildienst, machte ich eine Ausbildung zum Dipl. Sozialbetreuer und blieb in diesem Bereich.

2006 (2 Jahre nach der Einführung eines österreichweiten Kollektivvertrags im Sozialbereich – BAGS KV) hielt ich es nicht mehr aus zuzusehen, wie man meine Arbeitskollegen/innen und mich an der Nase herum führte. Ich begann mit der Betriebsratsarbeit. Der Sprung ins Wasser war wirklich eiskalt, denn gleich als Vorsitzender musste ich schwer um Anerkennung kämpfen. Mit dem Zuspruch der Kolleginnen und Kollegen, war der Rückenwind so stark, dass meine Arbeit immer weiter vorangetrieben wurde. Auch der Glaube, der steirischen GPA-djp in meine Person (der immer wieder am Prüfstein stand und steht) half viele Hürden zu überwinden. Letztendlich bin ich sehr Dankbar für die Zeit in der Arbeitnehmer/innenvertetung. Gemeinsam mit vielen Kollegen/innen die mich unterstützten, mir die Zeit gaben zu reifen erreichten wir so einiges und ich durfte viele wertvolle Erfahrungen sammeln.

Im Alter von 31 war es mir klar, jetzt oder nie. „Eine Weltreise wirbelt schon immer in deinem Kopf aber wenn du nichts machst bleibt sie auch dort, bis in alle Ewigkeiten“.

2004 erlebte ich das erste Mal im Rahmen eines Praktikums eine andere Kultur. Uganda war ein schwerer Hieb auf die von mir zusammengereimte Welt. Der typische Sozialaktivist und Gutmensch wurde nicht wie gewohnt im Wohnzimmersessel mit dem Anblick der von uns benannten 3ten Welt konfrontiert. Es gab keine Möglichkeit den Geruch von verrottendem Müll und Fekalien, die Lehmhütten in denen große Familien mit einfachsten Mitteln wohnten, weg zu schalten. Die Verantwortung gleich abzuschmettern, da ja dieser Umstand Millionen Kilometer entfernt statt fand, Regierungen und Kapitalisten dafür verantwortlich waren. Nein, ich wurde Teil des Systems und lies Kinder mit Krätze im Gesicht, Menschen mit fehlenden Gliedern die im Dreck der Straße entlang robbten, sichtlich kognitiv beeinträchtigte Menschen, ich ließ diese Seelen mich anbetteln und tat die Bitten mit einem flüchtigen Blick oder wenn es zu aufdringlich war mit einer heftigen Bewegung ab um dann in einem für unsere Verhältnisse billigen Restaurant zu Essen bis ich über beide Ohren satt war.

In den kommenden Jahren folgten unter anderem Monatsreisen nach Madagaskar, Süd Indien, Trinidad und Tobago, mit ähnlichen Bildern. Die Betriebsratsarbeit und andere kleine Arbeiten bzw. Zuwendungen an die Allgemeinheit wurden von diesen Eindrücken stark beeinflusst oder aktiviert.
Wie schon etwas in Uganda brachten die Reisen nicht nur Abgestumpftheit dem Leiden gegenüber sonder auch Bewunderung für den Menschen mit sich. Er ließ und ließ sich das Schöne, das Lachen nicht nehmen. Immer wieder sah ich in den starken Familienverbänden Lebensfreude – die sollte doch eigentlich nur den Westlern mit den gefüllten Bäuchen möglich sein oder?

Ein echte Antwort auf die Frage um den richtigen Umgang mit der Armut hab ich noch nicht gefunden, ich weiß nur das wegschauen nicht die richtige Lösung ist.

Lange Rede kurzer Sinn, 2011 fasste ich den Entschluss zu fahren und teilte ihn gleich Gott und der Welt (außer der Arbeitswelt – dort nur wenigen) mit, damit ich ja keinen Weg zurück mehr finde.

Jetzt bin ich 32 Jahre und schreib ein Vorstellungschreiben für einen Weltreise-Blog. Besonders möchte ich mich bei Pia Lichtblau (seit kurzem einen anderen Namen, den ich noch nicht kenne) bedanken, die mich nicht als verrückt abgestempelt hat, als ich ihr davon erzählte Gewerkschafter welt weit zu besuchen. und die auf der Reise Geduld zeigt, wenn keine Berichte eintrudeln.

Hier auch gleich meine große Entschuldigung an Pia und denen die von meinem Vorhaben vorab schon wussten für die rar gesäten Berichte. Soviel Gewerkschafter treff ich anscheinend leider nicht und ob der offizielle Kontakt funktioniert, wage ich mittlerweile zu bezweifeln. Dennoch werde ich schreiben, von der Arbeit und bestmöglich ihrer Vertreter/innen oder besser Gewerkschafter/innen der Länder die ich bereise.

Im Grunde soll dieser Reise eine weitere Schule für mein Leben sein, die Gewerkschaftsarbeit ist dabei ein Teil.

Zu den Berichten:
Quelle meiner Berichte sind immer Gespräche mit den genannten Personen. Ich überprüfe den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen nicht, sondern nehme ihre subjektive Sicht der Dinge in ihrem Land auf. D.h. es ist durchaus Möglich, dass sich Zahlen oder andere Aussagen nicht mit offiziellen Berichten über das betroffene Land übereinstimmen. Meine Aufmerksamkeit gilt den Gesprächspartner/innen, die sich Zeit nehmen mit mir über Ihre Arbeit zu sprechen.

Anton Lamprecht

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