„Die Brücke“ Harmonie und Leistung

Nach Tagen eines desaströsen Dauerjetlags beginnen Körper uns Geist endlich wieder zu harmonieren und auf Touren zu kommen, um die unglaubliche Vielfalt von unserer facettenreichen Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten.

Zur inneren Einkehr bleibt bei einem dicht gedrängten Programm ohnedies wenig Zeit.

Wie daheim….??!!

Im Augenblck befinden wir uns gerade auf der Autobahn nach Xian und abgesehen von den sechs Spuren und den wirklich sonderbaren Verkehrsregeln erinnert uns die Wetterlage fast schon an unseren Salzburger Schnürlregen.

Auch die Niederlassungen der österreichischen Betriebe die wir bis jetzt besichtigen durften ähneln in Aussehen, Einrichtung und Gestaltung der Arbeitsplätze größtenteils ihren Heimatstandorten, sodass sie im Grunde auch an jedem anderen Ort stehen könnten. Bei den Führungen durch die einzelnen Betriebe wird auch schnell klar, dass nicht nur die Anlagen selbst, die Arbeits- und Produktionsschritte sowie das Aussehen der Arbeitsplätze dieselben sind wie daheim, sondern selbstverständlich  auch die Managementmethoden. Wen wundert es, wo doch der Mainstream der Managementlehre in diesem Bereich momentan von den glorreichen „5 S“, der „Brücke“ oder dem gemeinsamen „Schiff“ gekennzeichnet  ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass so mancher  unserer Betriebsratskollegen beim gemeinsamen Rundgang ein „deja vu“ erlebt und ihm ein spontanes „Jö, das kenn ich, genau diese Tafel hängt bei uns auch im Betrieb!“ entfährt.

Auch die CEOs argumentieren ähnlich wie bei uns – mainstreamgetreu-, vielleicht mit dem einen Unterschied, dass die Nummer 1 zu sein hier noch wichtiger zu sein scheint als in Europa und deshalb mit noch mehr Intensität und vielleicht sogar mit etwas mehr Verbissenheit verfolgt wird. Das hat nicht nur mit der „neuen chinesischen Mentalität“ zu tun sondern auch damit, dass die ausländischen Investoren nicht in ein „noch billigeres“ Land vertrieben werden. Auch hierzulande ist klar, dass die neuen Billiglohnländer eine große Gefahr für die chinesische  Wirtschaft darstellen und so wird von den CEOs immer wieder betont, dass –neben den günstigeren Produktionsbedingungen – das unbedingte Streben danach, Nummer eins zu sein der chinesische Marktvorteil ist.

Auch werden von den Managern die hervorragenden Beziehungen zu den Österreichischen Partnern immer wieder hervorgehoben  und betont, keine Konkurrenz zu den heimischen Betrieben zu sein, sondern eben für den riesigen chinesischen Markt zu produzieren. Und so die Aussage eines „Lehrbuch-CEOs“: „Wenn wir nicht das Geschäft machen, dann tut das eben jemand anderer und das ist nicht gut für Chinas Wirtschaft“.

Die GewerkschafterInnen, mit denen wir bisher ins Gespräch kamen, sind allesamt engagierte Menschen. Schnell wird aber klar, dass die Rolle der GewerkschaftsvertreterInnen hier ganz eine andere ist als in Österreich. Der Organisationsgrad ist mitunter umwerfend, die Gestaltungskraft (wie wir sie interpretieren würden) hält  sich jedoch in Grenzen. Nahezu unvorstellbar ist daher ein Denkansatz, der die Organisationsdichte von hier mit unseren gewerkschaftspolitischen Parametern kombiniert. J  Um die vielen Fragezeichen in unseren Köpfen (hoffentlich) beseitigen zu können freuen wir uns deshalb schon auf unsere weiteren Gespräche in diese Woche in Bejing.

Alles relativ…

Hervorgehoben wird von allen Seiten mit Stolz, dass die Lohnerhöhungen der letzten Jahre immer im zweistelligen Bereich lagen. Allerdings ist auch die Inflation offenbar mindestens im selben Ausmaß in die Höhe geschnellt.

Entscheidend wird daher sein, dass das Geld wirklich bei den ArbeitnehmerInnen ankommt, damit dieses beeindruckende Land auch bei seinen Menschen die Nummer eins sein kann.

Liebe Grüße besonders nach Salzburg! Heidi und Peter (ohne Almöhi)

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